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Blog-Eintrag

Familien brauchen mehr als Altersvorsorge

Zusammenfassung

Familien tragen besondere finanzielle Risiken: Krankheit, Erwerbsminderung oder der Tod eines Elternteils können ihre Existenz in besonderem Maße gefährden und damit insbesondere die Zukunftschancen von Kindern massiv negativ beeinflussen. Diese Risiken sind umso größer, seitdem sich der Staat im Jahr 2001 mit dem Erwerbsminderungsrenten-Reformgesetz dazu entschlossen hat, den staatlichen Schutz auf ein Minimum zu reduzieren und die eigene Absicherung in die Verantwortung jedes Einzelnen zu legen. Aktuelle Studien zeigen, was zu erwarten war: Die Risiken werden unterschätzt oder es ist nach den laufenden Haushaltsausgaben schlichtweg kein Geld für die eigene Absicherung übrig. Von einem flächendeckenden Schutz der Bevölkerung kann keine Rede sein. Gleichzeitig fokussiert sich die aktuelle Vorsorgedebatte vor allem auf das Alter. Dr. Alexander Katzur, Leiter betriebliche Altersversorgung bei Zurich, fordert einen umfassenderen Blick in der Vorsorgedebatte. Zentral ist neben der Altersabsicherung auch ein Fokus auf den Existenzschutz während des Erwerbslebens. Arbeitgeber könnten durch kollektive Absicherungslösungen einen wichtigen Beitrag leisten. Dafür braucht es jedoch stärkere staatliche Anreize. Denn die größte Versorgungslücke entsteht oft nicht im Alter, sondern durch unerwartete Schicksalsschläge im Erwerbsleben.

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Die größte Versorgungslücke entsteht oft vor dem Ruhestand

Familien sind das Fundament unserer Gesellschaft. Sie geben Halt, vermitteln Werte und schaffen die Grundlage für die nächste Generation – und damit für die Zukunft unseres Landes.

Wer Verantwortung für eine Familie trägt, denkt meist an vieles gleichzeitig: die Zukunft der Kinder, die Finanzierung des Eigenheims, den Alltag zwischen Beruf und Familie oder die eigene Altersvorsorge. Doch eine Frage rückt dabei häufig in den Hintergrund: Was passiert, wenn das Einkommen eines Elternteils plötzlich wegfällt?

Der aktuelle Familienbericht Nordrhein-Westfalen macht deutlich, dass Familien besonderen finanziellen Risiken ausgesetzt sind. Neben steigenden Lebenshaltungskosten und den Herausforderungen der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, zählen dazu auch einschneidende Lebensereignisse wie Krankheit, Erwerbsminderung oder der Tod eines Elternteils. Solche Ereignisse können die wirtschaftliche Stabilität einer Familie innerhalb kürzester Zeit erheblich beeinträchtigen. Leidtragende sind hier vor allem Kinder, weil in Deutschland Armut die Zukunftschancen eines Kindes immer noch in besonderem Maße negativ beeinflusst.

Der Bericht zur Risikolebensversicherung des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft benennt die Zahl der Haushalte, denen trotz Absicherungsbedarf eine Absicherung gegen Todesfall fehlt, mit mehr als 20 Millionen. Laut diesem Bericht verlieren im Jahr mehr als 50.000 Kinder eine nahestehende Person von dessen Einkommen sie finanziell abhängig waren. Auch hier wird die hohe finanzielle Belastung der Haushalte durch laufende Ausgaben mit Daten hinterlegt.

Derzeit wird in Deutschland stark über die Altersvorsorge diskutiert. Die Frage, wie wir unseren Lebensstandard im Ruhestand sichern können, ist zweifellos wichtig. Gleichzeitig entsteht dadurch leicht der Eindruck, als lägen die größten finanziellen Herausforderungen erst am Ende des Erwerbslebens. Tatsächlich können die finanziellen Folgen von Erwerbsminderung oder Todesfällen Familien oft deutlich früher treffen – mitten im Berufsleben und häufig völlig unerwartet.

Fällt ein Einkommen weg, laufen viele finanzielle Verpflichtungen weiter: die Kreditrate oder die Miete für das Zuhause, laufende Ausgaben für Kinderbetreuung, Ausbildung oder den täglichen Lebensunterhalt. Für viele Familien stellt sich dann nicht die Frage, wie hoch die spätere Rente ausfallen wird, sondern wie die laufenden Kosten in den kommenden Monaten und Jahren bezahlt werden können.

Deshalb sollten wir den Blick auf Vorsorge erweitern. Finanzielle Sicherheit bedeutet nicht nur, für den Ruhestand vorzusorgen. Sie bedeutet auch, die eigene Existenz und die der Familie gegen Risiken abzusichern, die jederzeit eintreten können.

Warum Familien besonders verletzlich sind

Familienmitglieder tragen Verantwortung füreinander – und genau das macht sie in finanzieller Hinsicht besonders verwundbar. Kinder bedeuten nicht nur zusätzliche Ausgaben. Oft reduzieren Eltern ihre Arbeitszeit, um Betreuungsaufgaben zu übernehmen. Gleichzeitig wollen Familien möglichst früh eine stabile Umgebung schaffen, zum Beispiel durch den Erwerb einer Immobilie. In vielen Haushalten ist das Einkommen eines Elternteils zudem eine tragende Säule für die finanzielle Stabilität der Familie.

Kurzum: Eine Familie muss man sich leisten können und wollen. Selbst ohne ungeplante Ereignisse ist die finanzielle Situation in vielen Familien zumindest angespannt.

Kommt es zu einer längeren Erkrankung, zu einer Erwerbsminderung oder gar zum Todesfall eines Elternteils, entstehen deshalb häufig erhebliche Belastungen. Nicht nur fällt ein Einkommen weg. Erwerbstätigkeit, Care Arbeit und Haushalt lasten plötzlich allein auf den Schultern einer Person – gegebenenfalls kommt noch die Pflege des anderen Elternteils hinzu. Der Familienbericht verweist in diesem Zusammenhang auf erhöhte Armuts-, Überschuldungs- und Belastungsrisiken, die Familien in solchen Situationen treffen können. Umso wichtiger ist es, sich frühzeitig mit diesen Risiken auseinanderzusetzen und mögliche Versorgungslücken zu erkennen.

Existenzschutz ist keine reine Privatsache

Heute besteht ein wirksamer Existenzschutz für Familien aus mehreren Bausteinen. Dazu gehören beispielsweise private Absicherungslösungen der Arbeitskraft, die die finanziellen Folgen von Berufsunfähigkeit, Erwerbsminderung oder Tod abfedern können. Ebenso wichtig sind finanzielle Rücklagen, die kurzfristige Einkommenseinbußen überbrücken helfen.

Entscheidend ist dabei die individuelle Situation: Wer Kinder hat, ein Haus finanziert oder von einem Haupteinkommen abhängig ist, sollte regelmäßig prüfen, ob die bestehenden Absicherungen noch zum eigenen Leben passen.

Soweit zur Theorie. Die finanzielle Realität sieht verständlicherweise häufig anders aus – viele Familien haben gar nicht die Möglichkeit sich abzusichern und müssen einfach hoffen „dass es schon gut gehen wird“. Wenn es mal „nicht gut geht“, dann ist das Armutsrisiko erheblich. Zudem hat auch nicht jeder einfach Zugang zu entsprechenden Absicherungen der eigenen Arbeitskraft, da Alter, Gesundheitszustand und Beruf maßgeblichen Einfluss auf Preis und Versicherbarkeit haben.

Weil Familien ein besonderes Risiko eingehen, auch, um die Zukunft unseres Landes zu sichern, kann ihr Existenzschutz nicht allein private Aufgabe sein. Da die Sozialsysteme jedoch immer weiter unter Druck geraten und auch die Rentenkommission über Prävention, bessere Wiedereingliederungsmaßnahmen und Frühverrentung hinaus keine Lösungen präsentiert, stellt sich aber die Frage, woher dieser Schutz kommen soll.

Eine mögliche Lösung: Staatliche Anreize, um Existenzschutz über den Arbeitgeber zu organisieren

Arbeitgeber begleiten Menschen über viele Jahre ihres Erwerbslebens. Sie können deshalb eine wichtige Rolle dabei spielen, Beschäftigte und ihre Familien gegen existenzielle finanzielle Risiken abzusichern. Während betriebliche Vorsorge häufig mit Altersversorgung verbunden wird, geraten Risiken wie Invalidität, Erwerbsminderung oder Todesfall oft in den Hintergrund.

Moderne betriebliche Vorsorgelösungen ermöglichen es Unternehmen, ihren Mitarbeitenden zusätzlichen Schutz anzubieten und Versorgungslücken zu schließen. Damit übernehmen sie aktiv Verantwortung für die finanzielle Sicherheit ihrer Beschäftigten..

Blickt man ins Ausland, dann stellt man fest, dass in vielen Ländern eine flächendeckende Absicherung gegen Invalidität oder Tod im Erwerbsleben über den Arbeitgeber organisiert ist.

In Deutschland war dies vor dem im Jahr 2001 in Kraft getretenen Erwerbsminderungsrenten-Reformgesetz nicht notwendig. Mit diesem wurde dann der staatliche Schutz der Arbeitskraft auf ein absolutes Minimum reduziert.

Anders, als bei den im gleichen Jahr verabschiedeten Gesetzen zur Stabilisierung der Beitragssätze der deutschen Rentenversicherung, in deren Zuge zwar die Rentenhöhe beschnitten, allerdings mit der Riester-Reform – man mag von ihr halten, was man will – auch eine steuerlich-geförderte Möglichkeit geschaffen wurde, diese Renten-Lücke selbst mit geförderten privaten Beiträgen und Zuschüssen vom Staat (teilweise) zu schließen, wurde damals kein analoges Anreizsystem zum Abfedern der Kürzungen bei der Arbeitskraftabsicherung geschaffen. Über den privaten Weg wäre dies flächendeckend auch kaum möglich gewesen, da hier die Möglichkeit der Absicherung und der Beitrag maßgeblich von der individuellen Situation des Einzelnen – Alter, Gesundheitszustand und Beruf – abhängt.

Alternativ hätte man im Zuge des Erwerbsminderungsrenten-Reformgesetzes jedoch Anreize schaffen können, die Arbeitgeber zur Schließung der entstandenen Versorgungslücke über betriebliche, kollektiv organisierte Lösungen motiviert. Diese schauen nämlich nicht auf die Situation des Einzelnen, sondern bewerten immer ein ganzes Kollektiv. Leider wurde dies von der Politik versäumt. Wie solche Anreize aussehen könnten, muss unbedingt Teil der aktuell geführten Vorsorgedebatte in Deutschland werden. Denkbar wäre es zum Beispiel, ein Fördersystem analog zu dem in der Geringverdienerförderung zu etablieren.

Versicherer bieten entsprechende kollektive Lösungen heute schon an und bringen hierüber auch viele Menschen in Absicherung, die im Privatkundenmarkt keinen Schutz erhalten oder finanzieren können. Der aktuelle Kundenstamm in solchen Lösungen umfasst auffällig viele international tätige Unternehmen, denen entsprechende Absicherungslösungen für ihre Mitarbeitenden aus anderen Ländern geläufig sind. Auch Zurich bietet mit TEAM® eine betriebliche Lösung zur kollektiven Absicherung von Todesfall- und Invaliditätsrisiken.

Gerade in einer Zeit, in der finanzielle Sicherheit für viele Menschen an Bedeutung gewinnt, können Arbeitgeber damit einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der Resilienz von Familien leisten. Hierbei sollten sie jedoch vom Staat unterstützt werden.

Vorsorge beginnt dort, wo Verantwortung übernommen wird

Wenn wir über die Zukunft der finanziellen Sicherungssysteme sprechen, sollten wir nicht nur fragen, wie wir den Lebensstandard im Alter sichern können. Wir sollten ebenso darüber diskutieren, wie Familien vor den finanziellen Folgen von Erwerbsminderung, Invalidität und Todesfällen geschützt werden können. Denn wer Verantwortung für Kinder und Angehörige übernimmt, übernimmt auch Verantwortung für deren finanzielle Sicherheit.

Die größte Versorgungslücke entsteht oft nicht erst mit dem Eintritt in den Ruhestand. Sie entsteht dann, wenn das Leben unerwartet eine andere Richtung einschlägt. Und genau deshalb sollte Existenzschutz ein fester Bestandteil jeder modernen Vorsorgedebatte sein.

FAQ: Existenzschutz für Familien

Was bedeutet Existenzschutz?

Existenzschutz umfasst Maßnahmen, die Menschen und ihre Familien vor den finanziellen Folgen schwerwiegender Lebensereignisse schützen. Dazu gehören insbesondere Krankheit, Berufsunfähigkeit, Erwerbsminderung oder der Tod eines Familienmitglieds, das zum Haushaltseinkommen beiträgt.

Warum ist Existenzschutz für Familien wichtig?

Familien sind häufig auf ein oder zwei Einkommen angewiesen. Fällt ein Einkommen durch Krankheit, Berufsunfähigkeit, Erwerbsminderung oder Tod weg, laufen viele Ausgaben weiter – beispielsweise für Wohnen, Kinderbetreuung, Ausbildung oder den täglichen Lebensunterhalt. Gleichzeitig liegt sämtliche Last plötzlich auf einem Paar Schultern. Existenzschutz kann helfen, finanzielle Belastungen in solchen Situationen abzufedern.

Was ist der Unterschied zwischen Altersvorsorge und Existenzschutz?

Altersvorsorge soll den Lebensstandard im Ruhestand sichern. Existenzschutz hingegen schützt vor finanziellen Risiken während des Erwerbslebens. Dazu zählen insbesondere Einkommensverluste infolge von Berufsunfähigkeit, Erwerbsminderung oder Todesfällen.

Sind Familien besonders von finanziellen Risiken betroffen?

Ja. Familien tragen langfristige finanzielle Verpflichtungen und haben häufig höhere laufende Ausgaben als Einzelpersonen. Gleichzeitig können Betreuungs- oder Pflegeaufgaben die Erwerbstätigkeit einschränken. Kommt es zusätzlich zu Krankheit oder Erwerbsminderung, kann die finanzielle Belastung erheblich steigen.

Was passiert finanziell, wenn ein Elternteil berufsunfähig wird?

Kann ein Elternteil dauerhaft nicht mehr arbeiten, fällt oft ein wesentlicher Teil des Haushaltseinkommens weg. Gleichzeitig bleiben viele Ausgaben bestehen. Die Höhe staatlicher Leistungen reicht häufig nicht aus, um den bisherigen Lebensstandard der Familie vollständig zu sichern.

Was ist der Unterschied zwischen Berufsunfähigkeit und Erwerbsminderung?

Von Berufsunfähigkeit spricht man, wenn eine Person infolge Krankheit, Körperverletzung oder mehr als altersentsprechenden Kräfteverfalls ihren zuletzt ausgeübten Beruf aus gesundheitlichen Gründen dauerhaft voraussichtlich mindesten sechs Monate ununterbrochen nicht mehr ausüben kann. Erwerbsminderung bezieht sich auf die Fähigkeit, überhaupt noch einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Die Voraussetzungen und Leistungen unterscheiden sich erheblich.

Warum sollten Familien auch an eine Absicherung im Todesfall denken?

Verstirbt ein Elternteil oder Hauptverdiener, kann dies schwerwiegende finanzielle Folgen für die Hinterbliebenen haben. Neben emotionalen Belastungen müssen laufende Kosten wie Miete, Kredite oder Ausbildungsausgaben weiterhin finanziert werden. Eine frühzeitige Vorsorge kann helfen, diese Risiken zu reduzieren.

Welche Rolle spielen Arbeitgeber beim Existenzschutz?

Arbeitgeber können ihre Mitarbeitenden durch betriebliche Absicherungslösungen unterstützen. Dazu gehören beispielsweise Leistungen bei Invalidität, Berufsunfähigkeit oder Todesfall. Solche Angebote können helfen, Versorgungslücken zu schließen und die finanzielle Sicherheit von Familien zu stärken.

Reichen staatliche Leistungen zur Absicherung von Familien aus?

Die staatlichen Sicherungssysteme bieten grundsätzlich einen wichtigen Schutz. Ob die Leistungen im Einzelfall ausreichen, hängt jedoch von der persönlichen Lebenssituation, den laufenden Verpflichtungen und dem bisherigen Einkommen ab. Deshalb kann es sinnvoll sein, den eigenen Absicherungsbedarf regelmäßig zu überprüfen.

Wann sollten Familien ihre Absicherung überprüfen?

Spätestens bei wichtigen Lebensereignissen wie Heirat, Geburt eines Kindes, Immobilienkauf, beruflichen Veränderungen oder steigenden finanziellen Verpflichtungen empfiehlt sich eine Überprüfung der bestehenden Absicherungen. Häufig verändert sich der Bedarf im Laufe des Lebens deutlich.

Welche Risiken werden bei der privaten Vorsorge häufig unterschätzt?

Viele Menschen beschäftigen sich intensiv mit der Altersvorsorge, unterschätzen jedoch die finanziellen Folgen von Berufsunfähigkeit, Erwerbsminderung oder Todesfällen. Gerade diese Risiken können Familien jedoch unmittelbar treffen und die wirtschaftliche Stabilität eines Haushalts gefährden.

Warum sollte Existenzschutz Teil einer modernen Vorsorgestrategie sein?

Eine umfassende Vorsorgestrategie berücksichtigt nicht nur den Ruhestand, sondern auch Risiken während des Erwerbslebens. Existenzschutz und Altersvorsorge ergänzen sich deshalb: Während die Altersvorsorge die finanzielle Zukunft absichert, schützt der Existenzschutz die finanzielle Stabilität im Hier und Jetzt.

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