Pressemitteilung —
Cooles Land. Stadtentwicklung weitergedacht
Berlin / Düsseldorf / Köln, 25.08.2026: Das erste Mal in Deutschland wird ein Ministerium aktiv mit einer Versicherung zusammenarbeiten, um konkrete Handlungsempfehlungen im Umgang mit Klimafolgen am Beispiel des Umgangs mit Hitze zu erhalten.
Auf einer Pressekonferenz in Berlin haben das Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen und die Zurich Gruppe Deutschland bekanntgegeben, künftig gemeinsam neue Wege zu gehen.
Die Städte und Gemeinden stehen vor zahlreichen Stadtentwicklungsaufgaben: Klimaanpassung, nachhaltige Flächennutzung, bezahlbarer Wohnraum, die Gestaltung der Verkehre – und nicht zuletzt die Frage, wie unsere Städte, Gemeinden und Regionen energetisch zukunftsfähig gestaltet – und zwar aus den Perspektiven Strom, Wärme, Kälte und Speicherung – werden können. Das für Stadtentwicklung zuständige Ministerium in Nordrhein-Westfalen unterstützt die Kommunen mit Expertise und Fachwissen sowie insbesondere mit der Städtebauförderung des Landes Nordrhein-Westfalen und des Bundes.
Weltweite Expertise eines Versicherers
Die Zurich Versicherung, die weltweit 1.000 Risiko-Ingenieure sowie Klima- und Nachhaltigkeitsexpertinnen und -experten beschäftigt, arbeitet beispielsweise mit dem Madrid City Council und dem London Borough of Camden daran, die Resistenz der Städte und Kommunengegen extreme Hitze zu stärken. Nun wird das für Stadtentwicklung zuständige Ministerium in Nordrhein-Westfalen auf die Expertise der Zurich Versicherung setzen.
Ina Scharrenbach, Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen: „Der Madrid-Ansatz oder die Herangehensweise aus London haben uns als für Stadtentwicklung zuständiges Ministerium überzeugt. Diesen Ansatz wollen wir in Nordrhein-Westfalen ausprobieren, um Erfahrungen zu sammeln, für mehr. Es geht um eine zielgerichtete Identifikation von besonders hitzebelasteten Standorten in Verbindung mit konkreten Anpassungsmaßnahmen und einer abgeleiteten Prioritäten-Roadmap. Denn: Die Daten liegen alle vor, aber das Wissen, wie diese Daten zielgerichtet in Handlung übersetzt werden können, ist der komplett neue Ansatz.“
Dr. Carsten Schildknecht, Vorstandsvorsitzender der Zurich Gruppe Deutschland: „Unsere Methodik zur Steigerung der Klimaresilienz haben wir ursprünglich für Großunternehmen mit ihren Industriestandorten und kritischen Infrastrukturen und Logistikketten entwickelt und setzen dieses Know-how sehr erfolgreich für unsere Kunden ein. Die Übertragung unserer Expertise auf Städte und Kommunen ist naheliegend, da diese vor ähnlichen Herausforderungen stehen und insofern vom Wissenstransfer von den Unternehmen direkt profitieren können.“
Ministerium geht out-of-the-box
Ministerin Ina Scharrenbach: „In Deutschland neu und bisher einmalig: Ein für Stadtentwicklung zuständiges Ministerium geht out of the box, sucht und findet: Den Madrid-Approach. Ein ganzheitlicher Blick mit dem Ziel, die Hitzeresistenz der spanischen Hauptstadt zu erhöhen. Kann der Madrid Ansatz auf nordrhein-westfälische Städte – im besten Sinne: für die coole Stadt von morgen – übertragen werden? Wenn ja: Was sind die Gelingenheitsbedingungen? All das soll miteinander probiert und ausprobiert werden. Wir können Stadt- und Gemeindeentwicklung. Die Zurich Gruppe hat Daten, versteht Daten und kann diese zielgerichtet für einen verbesserten Schutz von Mensch, Tier, Umwelt und Infrastruktur aktivieren. Das ist unser Verständnis von einer umfassend gedachten Sicherheitspolitik: Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit der Zurich Gruppe Deutschland und die daraus resultierenden Erkenntnisse.“
Dr. Carsten Schildknecht: „Wir freuen uns das Land Nordrhein-Westfalen unterstützen zu können, um zu zeigen, wie moderne Klimaanpassung funktioniert: wissenschaftlich fundiert, datenbasiert, kommunal umsetzbar und konsequent auf den Schutz von Menschen und deren Einrichtungen ausgerichtet.“
Weitere Informationen
Extremwetterereignisse stellen in World Risk Report das größte globale Risiko auf Sicht der nächsten zehn Jahre dar. Zurich verbindet eine strategische Partnerschaft mit dem World Economic Forum, das jedes Jahr den World Risk Report veröffentlicht, der auf Basis einer umfangreichen Befragung von Managern aus Wirtschaft sowie führenden Wissenschaftlern und Politikern die Risikolandschaft weltweit bewertet. Nach diesem Bericht gehören Extremwetterereignisse in den letzten 10 Jahren zu den größten globalen, langfristigen Risiken. In den letzten drei Jahren, also 2024 bis 2026, war das Risiko Extremwetterereignisse sogar das größte globale Risiko auf Sicht der nächsten zehn Jahre.
Der Lancet Countdown 2025, kommuniziert über die WHO, schätzt, dass Hitzeexposition im Jahr 2024 weltweit 640 Milliarden potenzielle Arbeitsstunden kostete — mit Produktivitätsverlusten von 1,09 Billionen US-Dollar.
Die European Environment Agency (EEA) berichtet für Europa für 1980–2024 rund 441.000 Todesfälle durch extreme Wetterereignisse; rund 95 % davon entfallen auf Hitzewellen. Auch in Deutschland und Nordrhein-Westfalen geht die Anzahl der jährlichen Hitzetoten in die Tausende. Im Sommer 2023 wurden laut RKI/DWD rund 7.600 Hitzetote gezählt. In diesem Jahr lag die vom RKI geschätzte Zahl der hitzebedingten Sterbefälle bis zum 26. Juli 2026 bereits bei 11.900.
Klimatische Veränderungen: Anzahl und Intensität von Hitzewellen hat zugenommen
Nach dem Deutschen Wetterdienst (DWD) ergibt sich für Deutschland von 1881 bis 2025 statistisch gesichert ein Anstieg der durchschnittlichen Lufttemperatur von 2,5 °C. Die Temperaturen in Deutschland sind dabei deutlich stärker gestiegen als im weltweiten Durchschnitt von 1,4 °C.
Die neun wärmsten Jahre seit 1881 in Deutschland waren nach dem Jahr 2000. Die Anzahl der heißen Tage mit Temperaturen über 30 °C hat sich seit den 1950er Jahren von vier auf mittlerweile durchschnittlich 12 Tage pro Jahr verdreifacht. Bis Anfang August waren es dieses Jahr schon 15 Hitzetage mit Temperaturen ab 30 °C. Die Geschwindigkeit des Temperaturanstiegs in Deutschland hat in den letzten Jahrzehnten deutlich zugenommen. Auch die Anzahl und Intensität von Hitzewellen ist in diesem Zeitraum gestiegen.
Südeuropa einschließlich des Mittelmeerraums um Jahre in Stadtentwicklung und Architektur bei Umgang mit Wärme und Hitze voraus: Die Ausgangslagen sind unterschiedlich, aber die Aufgabenstellung ist dieselbe
Städte und Regionen in Südeuropa einschließlich des gesamten Mittelmeerraumes sind Regionen aus Mitteleuropa in der Entwicklung um Jahre und in der Architektur um Jahrzehnte voraus. Sie bauen ihre Gebäude anders (Stichwort: Nordrichtung, Fenstergrößen, Lichteinfall, Luftaustausch, natürliche oder künstliche Kühlung). Sie probieren in der Stadtentwicklung neue Ansätze aus, um den Schutz von Mensch, Tier und Umwelt vor den Folgen des Klimawandels zu verringern. Dabei zeigen manche Fernsehbilder: Der Versiegelungsgrad ist in Teilen in Südeuropa sehr hoch, mitunter höher als in mancher deutschen Großstadt. Bedeutet: Ausgangslagen können unterschiedlich sein, die Aufgabe ist jedoch dieselbe.
Zur Methodologie
„Im ersten Schritt wird die konkrete Hitzebelastung betrachtet, also die Gefahr. Dies kann je nach Assetklasse oder vulnerabler Gruppe die zu erwartende maximale Temperatur, der Hitzestress oder die zu erwartende Dauer einer Hitzewelle sein“, erläutert Prof. Dr. Matthias von Harten, Zurich Experte für Climate Resilience.
Im nächsten Schritt wird die Kritikalität des Standortes bewertet, also: was könnte unter der Hitze leiden, beschädigt werden oder wo könnte der Betrieb unterbrochen werden? Abschließend werden die ggf. vorhandenen Schutzmaßnahmen betrachtet und mögliche Maßnahmen entwickelt. Entscheidend sind dabei ihre Schutzwirkung, ihre Umsetzbarkeit und ihre Robustheit über das gesamte Jahr. Daraus ergibt sich eine Kühlkaskade: „Wir vermeiden Wärmeeintrag möglichst früh, halten ihn vom Gebäude fern, führen verbleibende Wärme passiv ab – und kühlen erst den unvermeidbaren Restbedarf aktiv“, so von Harten. „Wir beginnen also nicht am Klimagerät. Wir beginnen bei der Stadt bzw. bei städtebaulichen Maßnahmen. Wir reduzieren Hitze im Stadtraum, halten sie vom Gebäude fern, führen eingetragene Wärme wieder ab und erzeugen erst ganz am Ende die Kälte, die dann noch notwendig ist“, so von Harten.
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Die Zurich Gruppe Deutschland wurde 1875 in Berlin gegründet und gehört zur weltweit tätigen Zurich Insurance Group. Mit Beitragseinnahmen (2025) von über 6,2 Milliarden Euro, Kapitalanlagen von mehr als
52 Milliarden EUR und rund 5.300 Mitarbeitenden zählt Zurich zu den führenden Versicherungen in Deutschland. Im Einklang mit dem Ziel „gemeinsam eine bessere Zukunft zu gestalten“, bietet Zurich Präventionsdienstleistungen an, die über traditionelle Versicherungsprodukte hinausgehen, um Kunden dabei zu unterstützen, Resilienz aufzubauen.